Prof. Dr. Dr. sc. techn. ETH Hugo Tschirky2018-01-03T10:29:25+00:00
Prof. Dr. Dr. sc. techn. ETH Hugo Tschirky

Prof. Dr. Dr. sc. techn. ETH Hugo Tschirky

Das berufliche Wirken von Hugo Tschirky ist geprägt durch das Ingenieurstudium an der ETH Zürich, die anschliessende Forschungstätigkeit in den USA im Bereich der Sicherheit von Kernreaktoren, die Gesamtleitung von global tätigen Unternehmen, die Lehr- und Forschungs- und Beratungsaufgaben als o. Professor an der ETH auf dem Gebiet der Führung von technologie- und innovationsintensiven Unternehmen, die langjährige Leitung des Betriebswissenschaftlichen Instituts (BWI), die häufigen internationalen Lehr- und Forschungsaufenthalte vor allem in den USA und in Japan sowie die zahlreichen VR-Mandate von Industrie-, Dienstleistungs- und Start-up Unternehmen.

Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Japanisch

Email an Hugo Tschirky

Das ETH-Studium absolvierte Hugo Tschirky während der Jahre 1960-68 mit einem Diplom-Abschluss als Maschineningenieur für die Vertiefungsrichtungen Verfahrens-, Regelungs- und Nukleartechnik und einem Doktorat in Nukleartechnik. Sowohl die Diplomarbeit als auch die Dissertation wurden mit der ETH-Medaille ausgezeichnet. 1968–1971 war er als Entwicklungsingenieur am Forschungslabor Gulf General Atomic in San Diego tätig. Seine Aufgabe umfasste Analysen und Lösungen von Sicherheitsfragen schneller Kernreaktoren.

Während der Jahre 1971-75 leitete Hugo Tschirky als CEO die Carl Zeiss (Schweiz) AG. Deren Marktleistungen umfassten zum einen beratungsintensive optisch-elektronische Geräte und Systeme der wissenschaftlichen und industriellen Forschung. Zudem wurden durch die Schweizer Zeiss-Niederlassung Entwicklungsprojekte des deutschen Stammhauses koordiniert, welche gemeinsam mit der pharmazeutischen Industrie in Basel und mit den Instituten für Ophthalmologie und Mikroneurochirurgie des Universitätsspitals Zürich abgewickelt wurden. Zum andern bildeten die marketingintensiven augenoptischen Konsumgüter das Schwergewicht der Erträge.

Parallel zu dieser Führungstätigkeit bearbeitete Hugo Tschirky ein zweites ETH-Dissertationsprojekt. Es verfolgte das Ziel, ein Führungsverständnis zu entwickeln, das – dem sozio-technischen Konzept folgend – eine Ausgewogenheit zwischen den führungstechnischen Elementen und jenen des Führungsverhalten aufweist.

Die nächste Führungsaufgabe war die Leitung der Cerberus AG. Als Nachfolger von Dr. Ernst Meili, dem pionierhaften Gründer des weltweit führenden Herstellers von Systemen des Intrusions- und Brandschutzes, führte Hugo Tschirky das Unternehmen während der Jahre 1975-82 erst als Mitglied der Direktion und anschliessend als Direktionspräsident. Als besondere Herausforderungen stellten sich die Intensivierung der Präsenz auf dem USA-Markt, die Verstärkung des F&E-Bereichs um eine schlagkräftige Gruppe für angewandte Forschung, die erfolgreich radikale Produktinnovationen hervorbrachte, die Durchführung einer Gemeinkosten-Wertanalyse, die strategische Neuausrichtung der Logistikprozesse sowie die gezielte Einstellung von nicht mehr aussichtsreichen Entwicklungsprojekten.

Durch ein Berufungsverfahren wurde Hugo Tschirky für die Zeit von 1982-2003 als ordentlicher Professor für Unternehmensführung an die ETH Zürich gewählt. Diese auf Lehre, Forschung und Beratung ausgerichtete Aufgabe hatte die Schwerpunkte strategische Führung, technologie- und innovationsintensive Unternehmen, Einsatz von Venture Capital sowie die Gründung und Führung von Start-up’s. Hugo Tschirky war zudem langjähriger Leiter des Betriebswissenschaftlichen Instituts (BWI) und in Verbindung damit verantwortlich für das Nachdiplomstudium (NDS) in Betriebswissenschaften.

Unter den Beratungsmandaten während dieser Zeit sind hervorzuheben:

  • Expertise im internationalen Schiedsgerichtsverfahren zur Auseinandersetzung zwischen der französischen Atomenergiebehörde und den iranischen Staat. Die Streitfrage handelte von einer seinerzeit unter Scha Mohammad Reza Pahlavi eingegangen Verpflichtung zur Aufbereitung der ausgebrannten iranischen Kernreaktorelemente in der Anlage Tricastin in Pierrelatte. Diese vertragliche Verpflichtung wurde durch die dem Scha nachfolgende Regierung einseitig aufgekündigt, was die französische Behörde veranlasste, hohe monetäre Ersatzleistungen geltend zu machen.
  • Ein ebenfalls zeitintensives Mandat galt der Abklärung der Gründe, welches dazu führten, dass die Erstellung des Kernkraftwerks Leibstadt das veranschlagte Budget um 1.6 Milliarden Franken überschritten hatte.
  • Ein im Auftrag des Schweizerischen Schulrates erstelltes Gutachten befürwortete die Gründe für die Schaffung des Paul Scherrer Instituts (PSI). Grundlage dazu waren die überwiegend positiven Aspekte einer Zusammenlegung des 1960 gegründeten EIR (Eidgenössisches Institut für Reaktorforschung) mit dem 1968 gegründeten SIN (Schweizerisches Institut für Nuklearphysik).
  • Ein weiteres Mandat führte 1993 zur Fusion von 6 der 9 landwirtschaftlichen Genossenschaftsverbände zur fenaco als ein genossenschaftlich organisiertes Unternehmen der Schweizer Landwirte mit Sitz in Bern.
  • Dann war ein Gutachten ausschlaggebend für die 1997 erfolgte Fusion der Zuckerfabriken Aarberg und Frauenfeld. Es hatte sich abgezeichnet, dass aus wirtschaftlicher Sicht ein Zusammenschluss der beiden Fabriken nötig wird, um die Zukunft zu überleben.

Auf Initiative von Hugo Tschirky erfolgte im Jahr 2002 die Gründung des „European Institute for Technology and Innovation Management“ (EITIM). Es handelte sich um die Errichtung einer Interessengemeinschaft von technologie-orientierten Universitäten und umfasste die Chalmers University of Technology, das University College Dublin, die Technische Universität Hamburg Harburg (TUHH), die Technische Universität Berlin, die Cambridge University, die Ecole Centrale Paris, das Politecnico di Milano, die Sabanci University Istanbul und die ETH Zürich.

Der verbindende Leitgedanke war und ist die interaktive Durchführung von Forschungsarbeiten mit dem Zweck, Ergebnisse zu erzielen, um die gegenüber den USA und Japan deutlich schwächere Innovationsfähigkeit Europa’s zu verbessern. Die dazu gewählte Vielfalt von Aktivitäten umfasste gemeinsam betreute Doktorarbeiten, Top Executive Seminars in Sophia Antipolis und gemeinsam verfasste Fachartikel und Buchpublikationen.

Seit einigen Jahren wurde die ergänzende Organisation EITIMdoc geschaffen, welche die gezielte Förderung von Nachwuchsforschern verfolgt.

Im Rahmen eines ersten Sabbaticals verbrachte Hugo Tschirky während des Jahres 1992 einen Lehr- und Forschungsaufenthalt am Tokyo Institute of Technology in Japan. Schwerpunkte waren: erste Lehrveranstaltung in Japan über „Management of Technology“, Erhebungen einerseits bei 15 in Japan tätigen Schweizer Unternehmen über die Voraussetzungen für Geschäftserfolg im japanischen Markt und anderseits bei 15 japanischen Unternehmen zu Fragen der praktizierten Führungsstruktur.

Auf Einladung der Sloan School des Massachusetts Institute of Technology (MIT) verbrachte Hugo Tschirky hier im Jahr 2002 sein zweites Sabbatical. Im Mittelpunkt dieses Aufenthaltes stand ein Forschungsprojekt zur angestrebten Führung von technologie- und innovationsintensiven Unternehmen. Es hatte sich herausgestellt, dass die bekannten Lehrbücher über Unternehmensführung wenig an qualifiziertem Wissen zur Bewältigung des technologischen Wandels enthalten. Das Projekt verfolgte das Ziel, unter der Leitidee „Unternehmenswissenschaft“ ein konsistentes Führungskonzept zu entwerfen, in dem diese Wissenslücke grundsätzlich nicht besteht.

Seit 2003 erfüllt Hugo Tschirky reguläre Lehrverpflichtungen vor allem im Rahmen von Executive Management Programs an der ETH Zürich, in Japan und in Slovenien. Sie vermitteln Grundsätze der Führung von innovativen Unternehmen, umfassende Beispiele von „best-in-class“ Firmen sowie Methoden zur kreativen Findung von Produkt- und Geschäftsideen, deren Anwendung in Gruppenarbeiten praktiziert wird.

Hugo Tschirky ist Autor von zahlreichen Lehrbüchern und Fachpublikationen zu den genannten Lehr- und Forschungsthemen. Zwei der Lehrbücher wurden in die japanische Sprache übersetzt.

Während der Jahre 2007-12 war Hugo Tschirky Berater des Präsidenten der United Nations University (UNU) in Tokyo. Das Mandat umfasste die Erarbeitung eines Konzepts zur akademischen Aufwertung und Neuausrichtung des UNU-Instituts in Jordanien.

Eine wegweisende Grundlage dazu ergab sich aus dem Besuch des von Prof. Gupta in Indien seit vielen Jahren erfolgreich verfolgten Projekts „Grass Root Innovations“: Es belegt auf der anderen Seite die erstaunliche Innovationskraft auf der untersten Stufe der Einkommenspyramide („Bottom of the Pyramid“). Auf der anderen Seite werden ausgewählte Produktinnovationen gefördert und zu Geschäftsideen weiterentwickelt, um auf diese Weise unternehmerisches Verhalten bereits in den unersten Bevölkerungsschichten zu wecken.

Im Militär war Hugo Tschirky Oberst der Gebirgsinfanterie. Während der Jahre 1982-2004 gehörte er der Eidg. Rüstungskommission an und leitete dieses Gremium als deren Präsident ab 1999. VR-Mandate: Canon Schweiz (25 Jahre), Jelmoli (24 Jahre, zeitweise als VR-Präsident), BB-Industrie (10 Jahre), Dräger Safety Schweiz AG (24 Jahre), Unilever Schweiz AG (8 Jahre), new medical technologies AG (4 Jahre), Connex Verkehr AG (4 Jahre), Helbling Management Consulting AG (3 Jahre).

Aktuelle Mandate: LogObject AG, Swiss Blue Energy AG, Swiss 3D Tec AG (VR- Präsident).